Veröffentlicht am 24.03.2021

Biologische Vielfalt: Im Ilm-Kreis startet die Flächenansaat für neue blühende Feldraine in Thüringen

Siegesmund: „Unsere Natur braucht Vielfalt“

Mit gras- und krautbewachsenen Randstreifen zwischen Acker und Feldweg oder zwischen Ackerschlägen wird der Insektenschutz in Thüringen verstärkt. Über das Projekt „VIA Natura 2000 – Vernetzung für Insekten in der Agrarlandschaft zwischen Natura 2000-Gebieten in Thüringen“, das im Bundesprogramm Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) gefördert wird, stehen dafür Mittel des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) in Höhe von rund 4,8 Millionen Euro zur Verfügung sowie rund 600.000 Euro vom Thüringer Umweltministerium.

Für eine der ersten Ansaaten im Rahmen des Projektes konnte die Natura 2000-Station „Gotha/Ilm-Kreis“, einer der Partner im Projekt, unter anderem die Gemeinde Amt Wachsenburg und die Agrargenossenschaft „Drei Gleichen Mühlberg e.G.“ gewinnen. Am 24. März wird auf einer Gemeindefläche eine Wildkräuter- und Gräsermischung für einen blühenden und insektenfreundlichen Feldrain ausgebracht.

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund erklärt: „Unsere Natur braucht Vielfalt. Ausgeräumte Agrarlandschaften bieten zu wenige Lebensräume für Insekten - und damit auch für vertraute Feldvögel, die so ihre Nahrungsquellen verlieren. Hier helfen neue blühende Feldraine. Sie bieten Bestäubern und anderen Insekten ein vielfältiges Blütenangebot - auch solchen, die als landwirtschaftliche Nützlinge biologische Schädlingsbekämpfung leisten können.“

Die Natura 2000-Station „Gotha/Ilm-Kreis“ betreut in den beiden Landkreisen 31 Natura 2000-Gebiete. Dabei umfasst der Zuständigkeitsbereich der Station auch die Areale zwischen den Schutzgebieten. Die Leiterin der Station „Gotha/ Ilm-Kreis“, Claudia Müller betont: „Feldraine waren früher zahlreich an Wegen und Ackerrändern zu finden und prägten das Landschaftsbild maßgeblich mit. Die Neuanlage oder Wiederherstellung dieser traditionellen Saumbiotope ist nicht nur für Insekten in der Agrarlandschaft und zur ökologischen Vernetzung unserer Schutzgebiete außerordentlich wichtig. Sie tragen auch zum Erholungswert in der Natur und der Wertschöpfung der Region bei.“ Träger der Natura 2000-Station „Gotha/Ilm-Kreis“ ist die Naturforschende Gesellschaft Altenburg e.V..


Weitere Flächenansaaten im gesamten Projektgebiet, das die Zuständigkeitsbereiche von fünf Natura 2000-Stationen umfasst, folgen im Frühjahr und im Herbst 2021 sowie in den nächsten Jahren. Ziel ist es unter anderem, über die gesamte Projektlaufzeit von Mai 2020 bis April 2026 mindestens 55 Hektar Feldraine neu anzulegen. Die Projektflächen werden auf Basis umfassender, flurstücksgenauer Biotopverbundplanung ausgewählt. Weitere Informationen erhalten Sie auf www.via-natura-2000.de.

Hintergrund:
Ziel des im Bundesprogramm Biologische Vielfalt geförderten Projektes „VIA Natura 2000“ ist es, die historisch gewachsene Kulturlandschaft in einigen Bereichen Thüringens durch die Zusammenarbeit zwischen Naturschutz, Landwirtschaft, Kommunen und weiteren Interessierten zu schützen. Die Stiftung Naturschutz Thüringen, die Träger der beteiligten fünf Natura 2000-Stationen und die Umwelt- und Agrarstudien GmbH setzen sich als Projektteam ein, um artenreiche, bunte Feldraine neu anzulegen oder ökologisch aufzuwerten sowie dauerhaft zu erhalten. Besonders im Vordergrund steht dabei die Verbesserung des Biotopverbundes insbesondere zwischen Natura
2000-Gebieten und eine Erhöhung der Artenvielfalt. Blütenbesuchende Insekten profitieren davon besonders.

Die regionalen Verbundpartner sind: Landschaftspflegeverband Altenburger Land e.V. (Natura 2000-Station „Osterland“), Naturforschende Gesellschaft Altenburg e.V. (Natura 2000-Station „Gotha/Ilm-Kreis“), Landschaftspflegeverband Südharz/Kyffhäuser e.V. (Natura 2000-Station „Südharz/Kyffhäuser“), Wildtierland Hainich gGmbH (Natura 2000-Station „Unstrut-Hainich/Eichsfeld“), Landschaftspflegeverband Mittelthüringen e.V. (Natura 2000-Station „Mittelthüringen/ Hohe Schrecke“). Weitere Informationen finden Sie auch auf den Seiten des Bundesamtes für Naturschutz: biologischevielfalt.bfn.de/bundesprogramm/projekte/projektbeschreibungen/via-natura-2000.html

Veröffentlicht am 16.07.2020

Insektenschutz-Projekt: 5,7 Millionen Euro für blühende Feldraine

Siegesmund: „Wir brauchen in unserer Natur die ganze Vielfalt der Insekten“ Peisker: „Neben der Artenvielfalt profitiert auch das Landschaftsbild“

Mit gras- und krautbewachsenen Randstreifen zwischen Acker und Feldweg soll der Insektenschutz in Thüringen verstärkt werden. Das Projekt „VIA Natura 2000“ wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt vom  Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) in Höhe von rund 4,8 Millionen Euro, sowie vom Umweltministerium mit rund 600.000 Euro finanziert. Dazu kommen Eigenmittel der Projektpartner, vor allem der Stiftung Naturschutz Thüringen (rund  140.000 Euro). Das Projekt hat eine Laufzeit von sechs Jahren (2020 -2026).

Dazu erklärt Umweltministerin Siegesmund: „Unserer Natur tut Vielfalt gut. Dort, wo ausgeräumte Agrarlandschaften bislang zu wenige Lebensräume für Insekten bieten, können blühende Feldraine helfen. Sie bieten Bestäubern und anderen Insekten ein vielfältiges Blütenangebot - auch solchen, die als landwirtschaftliche Nützlinge einen Beitrag zur biologischen Schädlingsbekämpfung leisten können. Weniger Insekten dagegen bedeutet auch weniger Feldvögel und damit den Verlust an vertrauten Tieren unserer Heimat. “

Gemeinsam mit fünf Natura 2000-Stationen sowie der Umwelt- und Agrarstudien GmbH führt die Stiftung Naturschutz Thüringen in den kommenden sechs Jahren das Projekt „VIA Natura 2000“ durch. In den landwirtschaftlich besonders intensiv genutzten Ackerbauregionen Thüringens soll damit auch der Biotopverbund zwischen bestehenden Schutzgebieten optimiert werden.

„Ziel ist es unter anderem, eine Vernetzung für Insekten zu schaffen und dadurch auch Ökosystemdienstleistungen wie Bestäubung und Schädlingsbekämpfung zu sichern und zu verbessern. Neben der Artenvielfalt profitiert auch das Landschaftsbild in intensiv ackerbaulich genutzten Gegenden sehr von blütenreichen Säumen entlang von Feldwegen“, so Denis Peisker, Geschäftsführer der Stiftung Naturschutz Thüringen.

Zur Umsetzung der Maßnahmen erfolgt eine intensive Beratung und Abstimmung mit Gemeinden, Landwirtschaftsbetrieben, Eigentümerinnen und Eigentümern und weiteren Akteuren. Für eine breite Akzeptanz und den langfristigen Erhalt der Säume werden übergreifende Analysen in Hinblick auf rechtliche, förderspezifische und ökonomische Fragestellungen durchgeführt. Auf Basis dieser Analysen und weiterer im Projekt gemachter Erfahrungen wird ein Leitfaden mit praxisnahen Handlungsempfehlungen erstellt.  Erfassungen von Pflanzen sowie Wildbienen und Schwebfliegen geben Aufschluss über den Ist-Zustand und das Entwicklungspotenzial der untersuchten Flächen. Luftaufnahmen und Analysen mittels geographischer Informationssysteme zeigen landschafts- und agrarökologische Veränderungen und liefern Informationen zum Vernetzungsgrad der Flächen.

Zur Ergänzung der Erhebungen und Förderung des bürgerwissenschaftlichen Engagements ist außerdem ein ehrenamtliches Tagfaltermonitoring in den Projektgebieten vorgesehen. Darüber hinaus können Verbände, Vereine, Schulen und Kindergärten in den Projektregionen Feldrain-Patenschaften übernehmen. Sie pflegen die Flächen, dokumentieren Veränderungen und tragen das Thema in die Bevölkerung. Weitere Elemente der Öffentlichkeitsarbeit wie Fachsymposien, Informationsmaterialien oder eine intensive Pressearbeit sollen das Bewusstsein für die Wichtigkeit dieser Strukturelemente in der Landschaft bei verschiedenen Zielgruppen erhöhen.

Hintergrund:

Die fünf beteiligten Natura 2000-Stationen sind:  Landschaftspflegeverband Altenburger Land e.V. (Natura 2000-Station Osterland), Naturforschende Gesellschaft Altenburg e.V. (Natura 2000-Station Gotha/Ilmkreis), Landschaftspflegeverband Südharz/Kyffhäuser e.V. (Natura 2000-Station Südharz/Kyffhäuser), Wildtierland Hainich gGmbH (Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld), Landschaftspflegeverband Mittelthüringen e.V. (Natura 2000-Station Mittelthüringen). Zusätzlicher Verbundpartner ist die U.A.S. Umwelt- und Agrarstudien GmbH

Weitere Informationen finden Sie auch auf den Seiten des Bundesamtes für Naturschutz: https://biologischevielfalt.bfn.de/bundesprogramm/projekte/projektbeschreibungen/via-natura-2000.html